Sport in den USA – Überblick über die Besonderheiten der amerikanischen Sportkultur

Amerika, wohl nirgendwo weltweit spielt der Sport so eine bedeutende Rolle wie hier. In diesem Blogeintrag möchte ich das amerikanische Sportsystem ein wenig vorstellen. Es unterscheidet sich in einigen Aspekten wesentlich vom europäischen Modell. Ich werde mich dabei überwiegend auf die beliebtesten Sportarten American Football, Basketball, Eishockey und Baseball konzentrieren. Es soll aber auch kurz der Frage nachgegangen werden, warum Fußball in Nordamerika in Relation zu den Hauptsportarten (noch) so eine untergeordnete Rolle spielt. Abschließend möchte ich die Bedeutung des amerikanischen College-Sports näher erläutern.

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New York Yankee Stadium  / Quelle: Flickr – John Dalton

Die Sportkultur der USA

Die Nordamerikaner verfügen über eine ganz besondere Sportkultur. Sie ist nahezu mit keiner anderen zu vergleichen. American Football, Baseball, Basketball und Eishockey gehören zu den Sportarten mit der größten Bedeutung und Tradition in Amerika. Charakteristisch für die Sportkultur ist, dass sie sehr nach innen gerichtet ist. An erster Stelle des Interesses stehen unangefochten die heimischen Ligen NFL (American Football), NBA (Basketball), NHL (Eishockey) und die MLB (Baseball). In den traditionellen amerikanischen Sportarten Baseball und American Football beispielsweise gibt es nahezu keine relevanten internationalen Vergleiche zwischen den USA und anderen Ländern. Anders als in Europa hält sich in den Staaten das Interesse an internationalen Turnieren und Vergleichen eher in Grenzen (Ausnahme Olympische Spiele). Eishockey- und Football-Weltmeisterschaften wurden in der Vergangenheit regelmäßig mit College-Auswahlen beschickt.

Was die Organisation des Sports betrifft, haben sich die Amerikaner ein besonderes Modell ausgedacht. Anders als in Europa handelt es sich hier um geschlossene Ligen ohne Auf- und Abstieg. Für die Besetzung der Profiligen ist der jeweilige Ligaverband zuständig, der die Lizenzen an interessierte Franchises vergibt. Diese Franchises gehören sehr oft Privaten und werden von der Liga als Wirtschaftsunternehmen betrachtet bzw. behandelt. Ausschlaggebend für die Aufnahme in das Ligasystem sind u.a. die Größe der Stadt bzw. Agglomeration, Größe des Fernsehmarktes, die wirtschaftliche Stärke der Region sowie die Entfernung zu anderen Franchises. Diese Franchises können jederzeit den Besitzer und/oder den Standort wechseln. In den letzten Jahren kam es im amerikanischen Sport zu einzelnen Standortwechseln. Als prominentes Beispiel in der NBA sind die Seattle SuperSonics, die nach Oklahoma übersiedelten, zu nennen. Uneinigkeiten zwischen dem Klub und dem Bundesstaat Seattle haben zu diesem Umzug/Verkauf geführt. Der Bundesstaat wollte nämlich nicht für die Finanzierung des Umbaus der Sportarena aufkommen.

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Michigan Stadium (Ann Arbor) – NHL Winter Classic 2014   / Quelle: Wikimedia – Matthew Barera

Was die Amerikaner besonders gut können, ist es ihre Sportevents perfekt zu inszenieren. Die Fans sind sehr begeisterungsfähig und machen die Sportereignisse zu einem besonderen Erlebnis. Im Jänner 2014 fand in Michigan das bisher bestbesuchte Eishockey-Freiluftspiel der Geschichte mit über 105.000 Zuschauern statt (siehe Bild oben). Das Spiel fand unter freiem Himmel statt. Die hohe Zuschauerzahl ist sehr beachtlich, wenn man bedenkt, dass die Temperaturen während des Spieles 10 Grad unter dem Gefrierpunkt waren und die Partie phasenweise vor nicht unwesentlichem Schneefall stattgefunden hat. Zur Thematik der unüberdachten Stadioninfrastrukturen in den USA habe ich im Oktober 2013 einen Beitrag verfasst (Stadien in den USA – Eigenheiten beim Stadienbau). Das absolute Highlight unter den Sportveranstaltungen bildet aber der alljährliche Superbowl. Diese Veranstaltung ist der krönende Abschluss der NFL-Saison und findet weit über die amerikanischen Grenzen hinaus große Beachtung. Das ganze Rundherum mit Halftimeshow, Inszenierung und natürlich die herausragenden sportlichen Leistungen der Athleten machen das Event zu einem absoluten Premiumprodukt.

Eine weitere besondere Eigenheit der amerikanischen Sportkultur ist die hohe Anzahl an Spielen in einer Saison. Abgesehen von der NFL gibt es für die Mannschaften der vier Topligen sehr viele Spiele in einer Saison zu absolvieren. Besonders die Baseballer haben ein enormes Pensum zu bewältigen. In der MLB-Saison 2014 (März bis Oktober) musste beispielsweise der World Series Champion, die San Francisco Giants, unfassbare 179 Spiele absolvieren (162 in der Regular Season plus 17 in der Post Season). Es kann in einer MLB-Saison schon mal passieren, dass man gegen eine Mannschaft über 20 mal antreten muss. Unvorstellbar für einen Europäer, der sich zum Teil schon aufregt, wenn vier mal pro Saison gegen die selbe Mannschaft gespielt wird (z.B. in der österr. Bundesliga). Im Basketball musste der NBA Champion der Saison 2013/2014, die San Antonio Spurs, 105 Partien absolvieren (82 Regular Season + 23 Play Offs) und für den Stanley Cup Sieger, die Los Angeles Kings, waren es 108 (82 Regular + 26 POs). Die hohe Anzahl der zu bewältigenden Spiele ist naturgemäß mit hohen Reisestrapazen für die Spieler verbunden und stellt für die Liga und Vereine eine logistische Herausforderung dar.

Stellung der Sportarten

Die wohl traditionsreichste US-amerikanische Sportart ist Baseball. Man kann hier vom ersten wirklichen Nationalsport der USA („National Pastime“) sprechen. Der Baseballsport hat bei der Herausbildung der amerikanischen Identität einen enormen Einfluss ausgeübt. Erstaunlich in diesem Zusammenhang, dass die Sportart nur in wenigen Regionen der Welt (z.B. in Teilen von Mittel- und Lateinamerika, Japan) einen ähnlich hohen Stellenwert besitzt. Dies spiegelt sich auch sehr stark bei den Nationalitäten der MLB wider. Abgesehen von den Mittel- und Lateinamerikanern stellen die US-Amerikaner die große Mehrheit (über 70%) der Profispieler. Es ist seit geraumer Zeit zu beobachten, dass der Sport langsam aber sicher an Bedeutung einbüßt. Der Sport, der die Langsamkeit verkörpert, tut sich zunehmend schwerer junge Menschen zu erreichen. Baseball verliert dadurch kontinuierlich Anhänger an schnellere Sportarten wie Basketball oder American Football. „Baseball ist eine Sportart für Menschen mit viel Zeit[…] Baseball raubt die Zeit des Zuschauers, weil er ein Sport ohne Uhr ist. Wie lange ein Spiel dauert, kann man nicht vorhersagen, es können zweieinhalb Stunden sein oder fünf. Wenn eine Partie bis nach Mitternacht läuft, schließt das viele Zuschauer aus, vor allem Jugendliche“ (Zeit Online, 30.Oktober 2013).

Aufgrund dieser Faktoren ist inzwischen American Football zur beliebtesten Sportart in den USA aufgestiegen. Auch der Basketballsport konnte von dieser Entwicklung profitieren, welcher in der Rassenfrage eine wichtige gesellschaftspolitische Rolle einnimmt. Im Vergleich zu Baseball hat sich Basketball zu einer international bedeutsamen Sportart entwickelt. Derzeit spielen mehr als 100 Spieler aus rund 40 Nationen in der besten Basketballliga der Welt. Der Eishockeysport ist, was das Interesse betrifft, die vierte Kraft in den USA. Der Lieblingssport der Kanadier ist auch in den USA ein wichtiger Teil der sportkulturellen Geschichte. Besonders die Aufeinandertreffen gegen die Sowjetunion, Stichwort Kalter Krieg, haben eine herausragende Stellung im kollektiven Identitätsbewusstseins hinterlassen. Bei den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid konnten die US-Amerikaner gegen die damals als unschlagbar geltende Sowjetunion überraschend die Goldmedaille gewinnen. Dieser Sieg ist als „Miracle on Ice“ in die Geschichte eingegangen.

Nun möchte ich noch ein paar Worte über die Stellung des Fußballs in den Vereinigten Staaten verlieren. Soccer, wie der Fußball in den USA genannt wird, konnte bis heute nie die Popularität der vier angesprochenen Sportarten erreichen. Gründe dafür gibt es einige (Organisation und Struktur, Einwanderersport (britischer Sport), Sport für Frauen und Kinder, wenige Erfolge der Nationalmannschaft, eine nicht gerade attraktive MLS und der geringe Einfluss auf die Identitätsbildung). Auch die unzureichende Einbindung in das College-System spielt eine Rolle. Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 auf heimischen Boden ist jedoch ein Aufwärtstrend erkennbar, der Sport wurde allmählich populärer. Heute zählt Soccer zu den beliebtesten Beschäftigungen der amerikanischen Kinder und Jugendlichen. Auch die wachsende Anzahl an Latino-Amerikanern, die traditionell sehr fußballbegeistert sind, trägt zum Aufschwung des Fußballs bei.

Der College-Sport

Zu guter Letzt kommen wir nun zum College-Sport, welcher in den USA einen enorm hohen Stellenwert einnimmt. In Anbetracht dessen erstaunlich, dass es sich hier lediglich um Universitätssport mit ambitionierten Sportstudenten handelt. Kaum ein Bildungssystem der Welt schafft es derart Studium und Leistungssport auf diese Art und Weise zusammenzuführen. Neben Football, Basketball, Eishockey und Baseball werden an den Colleges auch viele andere Sportarten angeboten. Das Interesse der Amerikaner an diversen College-Ereignissen ist ungebrochen. Dieses Phänomen lässt sich schön im Zuge der alljährlichen March Madness beobachten. Millionen von Amerikanern verfolgen per TV, Smartphone, Tablets, PC und natürlich auch vor Ort die Spiele der nationalen Hochschulmeisterschaft im Basketball. Am Turnier, welches von Mitte März bis Anfang April stattfindet, nehmen insgesamt 68 College-Teams teil. Dabei wird den Zuschauern Sport auf hohem Niveau geboten. Das College-System bildet damit das Fundament für die vier großen Profiligen. In den zahlreichen Colleges werden eine Vielzahl an Profisportlern ausgebildet, die später in den vier Topligen Fuß fassen. Für die College-Studenten warten täglich mehrere Stunden an Training in einem professionellen Umfeld mit hochbezahlten Trainern und Betreuern. Dabei kann es schon vorkommen, dass die schulische Ausbildung bei einigen in den Hintergrund tritt. Die talentiertesten Spieler werden, was die schulischen Leistungen betrifft, vielerorts bevorzugt, da sie den Unis beträchtliches Geld einbringen. Es gilt, wenn ein College sportlich erfolgreich ist, kann sie mit mehr Spenden und Studenten rechnen, die Gebühren bis in den fünfstelligen Bereich zahlen.

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Beaver Stadium – Penn State vs Kent State / Quelle: Flickr – steve eng

Noch mehr Faszination geht jedoch vom College-Football aus. Die Spiele der besten College-Mannschaften werden im US-Fernsehen übertragen und finden zum Teil vor mehr als 100.000 Zuschauern statt. 2014 verfügten acht Colleges über Stadien mit einer Zuschauerkapazität von über 100.000. Vor allem in Gegenden wo es keine Profiteams gibt, steht die Bevölkerung in eindrucksvoller Manier hinter ihren Universitätsmannschaften. Das Zuschauerinteresse im College-Bereich ist deshalb so hoch, weil die Identifikation mit den Teams oftmals höher ist als in den Profiligen, wo Franchises jederzeit an andere Unternehmer und Private verkauft werden können oder gar den Standort wechseln. Der besondere Charme am College-Sport ist zudem, dass nicht nur aktuelle und ehemalige Studenten und dessen Angehörige zu den Spielen pilgern sondern durch die regionale Verwurzelung der Unis auch die ansässige Bevölkerung. Darüber hinaus stammen viele Spieler aus der Region und dienen daher als wichtige Identifikationsfiguren. Kernregionen des College Football sind traditionell die Region um die großen Seen (Michigan, Wisconsin, Illinois, Ohio) sowie der Südosten der USA. Universitäten wie Michigan, Penn State oder Ohio State im Norden und Alabama, Lousiana State oder Georgia im Süden sind in ihren Märkten quasi konkurrenzlos und dominieren die sportlichen Schlagzeilen. Besonders beeindruckend ist die Kulisse im Beaver Stadium, der Heimat der Penn State Nittany Lions (siehe Bild oben). Rund 100.000 in weiß bekleidete Besucher machen die Spiele der Lions zu einem besonderen Erlebnis und sorgen für eine einzigartige Atmosphäre.

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018 – 209 Fußballverbände auf dem Weg nach Russland (2)

Nach dem Auftakt in Asien startet nun auch die CONCACAF (Confederation of North, Central America and Caribbean Association Football) die Qualifikation für das WM-Turnier 2018 in Russland. Im Zuge der CONCACAF-Qualifikation gibt es für die Teams fünf Qualifikationsrunden zu überstehen. Schlussendlich werden sich von den 35 teilnehmenden Verbänden drei oder vier für die Fußball-WM qualifizieren. Die ersten Spiele der ersten CONCACAF-Qualifikationsrunde wurden bereits Ende März absolviert. In KO-Duellen konnten sich sieben Nationalteams für die nächste Runde qualifizieren. Diese Spiele fanden mitunter vor traumhaften landschaftlichen Kulissen statt.

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Basseterre (St.Kitts and Nevis) / Quelle: Wikimedia – J. Stephen Conn

CONCACAF – 1.Runde

Die erste Qualifikationsrunde wurde im KO-Modus mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Die 14 Nationalteams wurden im Vorfeld ähnlich wie in Asien in zwei Töpfe eingeteilt. In einem Topf befanden sich die gesetzten Mannschaften und im anderen die Ungesetzten. Große Überraschungen blieben weitgehend aus, lediglich Curaçao konnte ein laut FIFA-Weltrangliste besser klassiertes Team (Montserrat) bezwingen. Das Team aus Curaçao wird übrigens vom ehemaligen Weltklassespieler und Champions League Gewinner Patrick Kluivert trainiert, dessen Mutter gebürtig aus dem Inselstaat stammt. Wenig Mühe mit ihren Gegnern hatten St.Kitts and Nevis (Gesamtscore nach zwei Spielen: 12:4), Nicaragua (8:0) und Bermuda (8:0). Diese Nationalteams konnten klare Siege einfahren und damit souverän in die zweite Quali-Runde einziehen. Im Großen und Ganzen konnten die Nationen ihre Heimspiele in ihrer Heimat bestreiten, lediglich im Duell zwischen Dominica und den Britischen Jungferninseln kam es nicht dazu. Aufgrund von Umbauarbeiten im A. O. Shirley Recreation Ground in Road Town mussten die Britischen Jungferninseln auf ihren Heimvorteil verzichten. Somit fanden beide Qualifikationsspiele im Windsor Park in Roseau in der Hauptstadt von Dominica statt. Das im Jahre 2007 neu errichtete Stadion beherbergt rund 12.000 Personen und fügt sich schön in seine Umgebung ein (siehe Bild unten). Eine tolle Zuschauerkulisse gab es im Spiel zwischen Nicaragua und Anguilla zu sehen. In der Hauptstadt von Nicaragua in Managua fanden sich mehr als 6.000 Zuschauer im Estadio Nacional ein und sorgten für eine gute Atmosphäre.

Windsor_Park_Roseau_DominicaWindsor Park – Roseau (Dominica) / Quelle: Wikimedia – SDGibbons

Für die sieben qualifizierten Nationalteams geht es im Juni mit der zweiten Qualifikationsrunde weiter. Dort warten mit Kanada, El Salvador und Kuba schon recht attraktive Gegner für diese kleinen Fußballnationen. Die bereits ausgeloste zweite Quali-Runde wird ebenfalls im KO-Modus in zwei Spielen ausgetragen. Man darf gespannt sein, ob es einem der sieben Teams gelingt in die dritte Runde aufzusteigen, was einen großen Sprung in der FIFA-Weltrangliste bedeuten würde.

CONCACAF Runde1

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018 – 209 Fußballverbände auf dem Weg nach Russland (1)

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ist nicht mal ein Jahr her. Das nächste WM-Turnier wirft aber bereits seine Schatten voraus. Russland wird 2018 zum ersten Mal eine Fußball-Weltmeisterschaft veranstalten. Die ersten Qualifikationsspiele für das Großereignis sind bereits im März über die Bühne gegangen. Die AFC (Asian Football Confederation) macht den Anfang der langen Reise nach Russland. In den folgenden Blogeinträgen werde ich einen Überblick über den spannenden Weg der Länder zur Fußball-WM geben. Ich werde versuchen möglichst viele Aspekte zur Sportinfrastruktur in die Artikel einfließen zu lassen.

AFC – 1.Runde:

Im folgenden Abschnitt wird ein Überblick über die Auftaktspiele der Asien-Qualifikation gegeben. Die erste Qualifikationsrunde wurde im KO-Modus ausgetragen. Sechs Nationen mussten damit schon sehr früh die Hoffnung auf die WM-Teilnahme 2018 begraben. Der Auftakt war geprägt von wenigen Überraschungen. In sechs Duellen konnte sich fünfmal das favorisierte Team durchsetzen. Lediglich im Duell zwischen Sri Lanka und Bhutan konnte sich überraschend die ungesetzte Mannschaft für die nächste Runde qualifizieren. Bhutan als derzeit 209. (letzter Platz) der FIFA-Weltrangliste setzte sich klar mit zwei Siegen gegen das zweitbestplatzierte Team dieser Quali-Runde durch. Für das südasiatische Königreich mit einer Bevölkerung von rund 700.000 Einwohnern ein Riesenerfolg (zum Vergleich Sri Lanka hat über 20 Millionen Einwohner). Im Juni 2008 im Spiel gegen Afghanistan konnte zuletzt ein Sieg eingefahren werden. Seitdem gingen die Bhutaner in 18 von 19 Spielen als Verlierer vom Platz. Die Bevölkerung Bhutans kann sich sonst nur in der Volkssportart Bogenschießen an Erfolgen erfreuen. In Sachen Infrastruktur gibt es naturgemäß enormen Aufholbedarf in Bhutan. Aufgrund der gebirgigen Landschaft (stark vom Himalaya geprägt) gibt es derzeit nur sehr wenige ebene Fußballplätze im Land. Über 80% der Landesfläche liegen über 2.000m. Die Heimstätte der Nationalmannschaft das Changlimithang Stadion in der Hauptstadt Thimpu bietet aber gute Bedingungen für internationale Spiele. Das Stadion hat eine Kapazität von rund 15.000 Zuschauerplätzen und verfügt dank der Unterstützung der FIFA über einen Kunstrasenplatz, der modernen Ansprüchen genügt. Man darf gespannt sein, wie sich Bhutan in der Gruppenphase (2. Quali-Runde) schlagen wird. Die Auslosung der Gruppen erfolgt am 14. April 2015.

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HaaValley in Bhutan / Quelle: Wikimedia – Greenmnm69

Leider konnten nicht alle Länder ihre Spiele in ihrer Heimat bestreiten. Aufgrund erheblicher Sicherheitsbedenken mussten die Nationalmannschaften von Yemen und Pakistan nach Qatar bzw. Bahrain ausweichen. Das Rückspiel musste im Zuge von Anschlägen auf christliche Gotteshäuser neu angesetzt werden. Die politische Lage in der Nahost-Region wird einen erheblichen Einfluss auf die weiteren Qualifikationsspiele ausüben.

AFC Pic Blog

Rapid investiert in die Infrastruktur – Das Allianz Stadion

Die Pläne für das neue Stadion des SK Rapid wurden von den Vereinsverantwortlichen im Juni vorgestellt. Der Neubau am jetzigen Standort Hütteldorf soll bis Sommer 2016 realisiert werden. Die Gesamtkosten des Stadionprojekts belaufen sich auf rund 53 Mio. €. In der Arena wird es 24.000 Sitzplätze geben, die zum Teil abgesenkt werden können. Bei nationalen Spielen kann dadurch das Fassungsvermögen samt den Stehplätzen auf bis zu 28.000 erhöht werden. Präsident Krammer in der Pressekonferenz stolz zu den Neubauplänen: „Es ist ein geschlossenes Stadion, mit einer grünen Hülle, für 24.000 Zuschauer mit Sitzplätzen, 40 Logen, mit 2.500 Business-Sitzen. Es wird ein einrangiges Stadion ohne Unterbrechung der Zuschauerreihen, mit der Möglichkeit, die einzigartige Stimmung aus dem Hanappi-Stadion mitzunehmen.“

Eine Visualisierung des neuen Allianz Stadions gibt es im nun folgenden Video:

Fußballinfrastruktur in Wien – Aktuelle Entwicklungen und Diskussionen

Im folgenden Beitrag möchte ich mich näher mit der Wiener Fußballinfrastruktur beschäftigen. Wien ist zwar nach Berlin die zweitgrößte deutschsprachige Stadt der Welt, im Sportinfrastruktursektor hinkt sie vergleichbaren Großstädten jedoch zum Teil meilenweit hinterher. Diese Situation ist einer Metropole wie Wien unwürdig. Besonders im Fußballinfrastruktursektor besteht dringender Handlungsbedarf. Das Gerhard-Hanappi-Stadion im Westen von Wien zerfällt zusehends, die Generali Arena (früher Franz-Horr-Stadion genannt) ist auch kein Prunkstück und die Heimstätte der Österreichischen Fußballnationalmannschaft, das Ernst-Happel-Stadion, ist auch schon in die Jahre gekommen. Doch es verdichten sich die Zeichen, dass demnächst eine positive Richtung in diesem Bereich eingeschlagen wird. In den letzten Monaten wurde viel über die Sportinfrastruktur in Wien und in Österreich diskutiert. Es gibt nun konkrete Planungen, wie man die infrastrukturelle Situation in der Stadt verbessern könnte.

Heimstätten des SK Rapid und der Austria
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Rapid erhält eine neue Heimstätte

Beginnen möchte ich mit etwas Erfreulichem. Der SK Rapid wird in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit eine neue Heimstätte bekommen. Am Standort des baufälligen Gerhard-Hanappi-Stadions wird in Zukunft ein Neubau mit rund 24.000 Zuschauerplätzen entstehen. Am 6.7.2014 wird voraussichtlich das letzte Spiel im 37 Jahre alten Stadion stattfinden. Gegner wird der schottische Vorzeigeverein Celtic Glasgow sein. Danach übersiedelt Rapid für einige Zeit in das Ernst-Happel-Stadion. Die Gründe für den Stadionneubau sind vielfältig. Die Vereinsführung des SK Rapid Wien hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Der Verein möchte sich in Zukunft sportlich im Kreis der Top 50 Mannschaften Europas etablieren. Dazu ist es für Rapid u.a. notwendig sich infrastrukturell am europäischen Standard (z.B. mit mehr Zuschauerplätzen und mit attraktiven Räumlichkeiten für VIP’s) zu orientieren. Mit einem vergleichsweise teuren Umbau könnte Rapid nicht so große positive Effekte erzielen wie mit der nun gewählten Variante. Wie man einen Stadionumbau quasi in den Sand setzen kann, sieht man in Linz. Als abschreckendes Beispiel dient die um mehr als 20 Millionen renovierte  Linzer Gugl. Dort stehen die Verbesserungen der Infrastruktur in keiner Relation mit den getätigten Investitionen. Im Vorfeld hat die Klubführung von Rapid überlegt überhaupt ein neues Stadion auf einem neuen Standort zu errichten. Der Verein hat sich jedoch für den aktuellen Standort entschieden. In den letzten Jahrzehnten hat sich beispielsweise eine starke Identifikation mit dem Standort in Hütteldorf entwickelt und die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel mit S- und U-Bahn kann als nahezu ideal bezeichnet werden. Mehr Infos zur neuen Heimstätte des SK Rapid Wien werde ich liefern, wenn die konkreten Pläne vom Verein veröffentlicht wurden.

Austria Wien möchte das Stadion ausbauen

Neben Rapid möchte jetzt auch die Austria in ihre Infrastruktur investieren. Mit dem Erreichen der Champions League in dieser Saison wurde einiges an Geld in die Klubkassa gespült. Diese finanziellen Mittel sollen jetzt vorwiegend in die Verbesserung der bestehenden Infrastruktur investiert werden. Die Austria aus Favoriten hat ebenfalls erkannt, dass für eine Weiterentwicklung des Vereins das Stadion samt Umfeld ausgebaut werden muss. Im Gegensatz zu den Plänen von Rapid wird es bei der Austria keinen Neubau am aktuellen Standort geben, sondern einen Umbau bzw. Ausbau. Die Vereinsverantwortlichen des FAK arbeiten hinter den Kulissen bereits eifrig an einem weiteren Ausbau des Stadions. Die Austria bemüht sich seit Jahren die nicht gerade attraktive Infrastruktur baulich zu verbessern. Im Jahr 2008 wurde um ca. 10 Millionen Euro eine neue Osttribüne mit mehr als 4.000 Zuschauerplätzen auf die Beine gestellt. In dieser Tribüne wurden zudem ein Museum, ein Megastore und ein Cafe/Pub sowie Büros integriert. Die damaligen Investitionen brachten zwar eine Verbesserung des Stadions mit sich, die Attraktivität der Generali Arena hält sich jedoch weiterhin in Grenzen. Glaubt man Medienberichten, dürften die Planungen für den weiteren Ausbau des Stadions bereits weit fortgeschritten sein. Im Raum stehen ein Neubau der Nordtribüne, eine Aufstockung der Westtribüne und diverse andere Adaptierungen. Die zukünftige Zuschauerkapazität soll sich im Bereich zwischen 17.000 und 20.000 bewegen. Für die geplante Umbau-Saison 2015/2016 wurde bereits das Happel-Stadion angemietet. Neben den Stadionplänen soll auch das Umfeld der Arena aufgewertet werden. Hier soll in naher Zukunft der sogenannte Viola Park entstehen, aus stadtplanerischer Sicht ein sehr interessantes Projekt, bei der die Austria ein Akteur von mehreren ist. Dabei handelt es sich um ein Stadtentwicklungsprojekt mit neuen Wohnungen, Bildungseinrichtungen, einer Tiefgarage, einer geplanten  Ballsport-Akademie und weiteren Einrichtungen. Bis 2017 soll es darüber hinaus auch einen Anschluss an die U-Bahn geben. Sollten alle erwähnten Projekte umgesetzt werden, steht einer positiven Entwicklung des Vereins nichts im Wege.

Ernst-Happel-Stadion
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Quelle: Peter Gugerell/Wikimedia

Neues Stadion für Österreichs Fußballnationalmannschaft?

Nun kommen wir zum größten Stadion Österreichs, dem Ernst-Happel-Stadion, im Wiener Prater. Es fasst an die 50.000 Zuschauerplätze und ist die Heimat der Österreichischen Fußballnationalmannschaft. Bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz war das Stadion Spielort des EM-Finales zwischen Spanien und Deutschland. Im Rahmen der Vorbereitung auf die Heim-EURO wurde zwar in die Infrastruktur investiert, doch jetzt sechs Jahre später mehren sich kritische Stimmen, was die Renovierung des Stadions betrifft. Viele meinen, dass im Zuge des Sportgroßereignisses eine Riesenchance vergeben worden ist, ein modernes attraktives Stadion in Wien zu errichten. Somit reduziert sich die Möglichkeit in nächster Zeit EM-Spiele oder ein Europacup-Finale in Wien auszurichten auf ein Minimum. Das Stadion entspricht nicht mehr den gehobenen Ansprüchen der UEFA und es kommt noch dazu, dass die Stadionkonkurrenz aus anderen Nationen immer größer wird. ÖFB-Präsident Windtner spricht sich offen dafür aus, ein modernes Nationalstadion mit ca. 60.000 Zuschauerplätzen zu bauen. Ob es sich dabei um einen kompletten Neubau oder eine Renovierung handeln soll, ließ er offen. Die Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern und relevanten Institutionen laufen. Aber so realistisch muss man sein, vor 2020 wird es wohl kein neues Nationalstadion geben. Was darüber hinaus noch erschwerend dazukommt ist, dass das Ernst-Happel-Stadion unter Denkmalschutz steht.

Abschließend lässt sich sagen, dass die zukünftigen Investitionen in die österr. Fußballinfrastruktur von großer Bedeutung für die Weiterentwicklung des österreichischen Fußballs sein werden. Seit der Fußball-WM 2006 in Deutschland nimmt nämlich der Stellenwert der Infrastruktur immer weiter zu. Viele Länder haben dies erkannt und in den letzten Jahren kräftig in die Infrastruktur investiert (v.a. Deutschland, Skandinavien, Schweiz oder auch osteuropäische Länder). Das Nachbarland Ungarn wird beispielsweise 2014 mit dem Bau eines Nationalstadions mit 65.000 Zuschauerplätzen beginnen. In Österreich hat man leider die Entwicklung leider ein wenig verschlafen und ist deshalb in diesem Bereich ins Hintertreffen geraten. ÖFB-Präsident Windtner ist sich dessen bewusst und betonte in den letzten Monaten immer wieder, wie wichtig die Verbesserung der Sportinfrastruktur ist.  

Es folgen einige Zitate, die Windtner zu diesem Thema geäußert hat:

„Wir stehen bei weitem nicht dort, wo wir uns es angesichts der Heim-EM 2008 gewünscht hätten. Am Thema eines Nationalstadions kommen wir auf keinen Fall herum“ (Laola1.at)

Wir mussten unsere Bewerbung für die EM2020 zurückziehen, da wir mit dem Ernst-Happel-Stadion nicht mehr in eine Bewerbung gehen konnten. Das Stadion wurde für die EURO 2008 nochmals aufgerüstet, aber mittlerweile gibt es in vielen Ländern Europas so tolle Arenen, dass wir – wenn wir nicht ein neues Nationalstadion bauen – auf lange Sicht keine internationalen Endspiele mehr in unserem Land haben werden und wir uns auch nicht mehr für größere Veranstaltungen bewerben können.  In Kombination mit den Großklubs in Wien, mit modernen Konzepten und Finanzierungsmodellen müsste es möglich sein, ein  Nationalstadion zu bauen. Ich möchte jetzt nicht den Klassenkampf mit der Kultur beginnen, aber für die Errichtung von kultureller Infrastruktur wie Musikhäuser sind die Budgets offener. Da hat der Sport noch Aufholbedarf. Es darf nicht sein, dass wir aufgrund mangelnder Sportinfrastruktur international als Sportland vollkommen  an Bedeutung verlieren.“  (1911aktuell.at)

„Wir brauchen einen Infrastruktur-Schub. Vorbild ist das neue Hanappi-Stadion von Rapid“ (nachrichten.at)

zu den österr. Bundesliga-Stadien der Zukunft: „Es sollten moderne Arenen sein, in denen sich Spieler, Zuseher und Medien wohl fühlen und entsprechende Bedingungen vorfinden. Solche Arenen müssen auch attraktiv für Sponsoren sein und Anreize für Investitionen bilden.“ (nachrichten.at)

Auch im Blog-Eintrag vom 28.September 2013 findet sich ein Zitat:

Die Bewerbung für die EURO 2020 scheint aufgrund der schlimmen Stadion-Situation in Österreich ein hoffnungsloses Unterfangen. Ohne Neubau des Happel-Stadions droht ein jahrzehntelanger Stillstand.

Ein UEFA-Funktionär sagte mir auf einer Tagung, dass das Happel-Stadion in den letzten Jahren durchaus einige Schönheitsoperationen verpasst bekommen habe, aber es wäre immer eine alte Dame geblieben. Ich kann durchaus sagen, dass wir von der Politik sehr oft in diese Richtung abgefertigt wurden: Zuerst schaut’s, dass Erfolge eingespielt werden, dann werden wir die Infrastruktur schaffen. Das ist sicherlich die falsche Herangehensweise. Ich verweise nur auf die Schweiz und Basel, wo gute Infrastruktur sportliche Erfolge ausgelöst hat. Daher wäre es in Österreich notwendig, dass man – so wie in der Kultur – von Zeit zu Zeit echte Zeichen setzt in der Infrastruktur. Als ÖFB können wir ein derartiges Projekt nicht alleine auf die Beine stellen. (Sportwoche-Zeitung)

Es bleibt zu hoffen, dass er mit seinen Aussagen Politik und Funktionäre überzeugen bzw. wachrütteln kann und damit in weiterer Folge eine positive Entwicklung in diesem Sektor eingeleitet wird. Die Investitionen in die Stadien der Austria und von Rapid können schon mal als starkes positives Signal in diese Richtung gewertet werden.